08.09.2019

Steuerliche Aspekte des E-Sports

Immer mehr Menschen verdienen mittlerweile ihr Geld durch neue Informationstechnologien. Hier wird nachfolgend zur Diskussion gestellt, inwieweit der sog. E-Sport als Sport anzusehen ist und wie die damit erzielten Einnahmen und Ausgaben in den steuerlichen Kontext einzuordnen sind.

E-Sport als eine neue Sportart?

Beim E-Sport treten professionelle Spieler (sog. Pro-Gamer) in Computerspiel-Wettkämpfen gegen andere Pro-Gamer an und erhalten für die Teilnahme Antrittsgelder und bei Erfolg Preisgelder. Daneben werden häufig Einnahmen aus Sponsoring-Verträgen und Streaming-Plattformen erzielt. An diesen Wettkämpfen, die von unterschiedlichen Veranstaltern organisiert werden, nehmen sowohl Einzelspieler als auch Mannschaften (sog. Clans) teil. Es wird in nationalen (z.B. Electronic Sports League ESL) und internationalen Ligen gespielt. Auch wenn darüber kontrovers diskutiert wird, ist aber E-Sport bisher nicht als Sportart anerkannt.


Hinweis: Daher bleiben dem E-Sport derzeit sowohl öffentliche Fördergelder als auch eine indirekte Förderung durch die steuerliche Anerkennung der Gemeinnützigkeit verwehrt.

Die Besteuerung der Spieler und Clans in nationaler …

Pro-Gamer, die den E-Sport eigenverantwortlich und nicht weisungsgebunden betreiben, erzielen hinsichtlich ihrer Antrittsgelder und Preisgelder grundsätzlich Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Gleiches gilt für etwaige Einkünfte aus Sponsoring-Verträgen oder Streaming-Plattformen.


Sofern ein umsatzsteuerlicher Leistungsaustausch gegeben ist, unterliegen die Einnahmen auch der Umsatzsteuer. Während erfolgsunabhängige Antrittsgelder somit grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig sein werden, fehlt es erfolgsabhängigen Preisgeldern regelmäßig am umsatzsteuerlichen Leistungsaustausch.


Steht der Spieler dagegen in einem Anstellungsverhältnis zu einem Clan (Arbeitgeber), erzielt er Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit.


Die Clans können sowohl von den Spielern selbst als auch von Gesellschaften bzw. Vereinen gegründet und betreut werden. Deren steuerliche Beurteilung richtet sich nach den allgemeinen Grundsätzen und ist für jeden Einzelfall gesondert vorzunehmen.

… und internationaler Perspektive

Weil Pro-Gamer auf der ganzen Welt verteilt sind, Clans sich häufig aus internationalen Mitgliedern zusammensetzen und E-Sport-Wettkämpfe weltweit ausgetragen werden, sind häufig auch Aspekte des internationalen Steuerrechts zu beachten.


Aus deutscher Sicht ist eine Beurteilung der (unbeschränkten bzw. beschränkten) Steuerpflicht des Pro-Gamers vorzunehmen. Hat der Pro-Gamer weder seinen Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt im Inland, ist er lediglich mit seinen inländischen Einkünften i.S. des § 49 EStG in Deutschland beschränkt steuerpflichtig. Inländische Einkünfte dürften sich bei Pro-Gamern im Wesentlichen

  • durch die Begründung einer inländischen Betriebsstätte,
  • infolge der Ausübung einer nichtselbständigen Arbeit im Inland und
  • aufgrund der Teilnahme an inländischen Wettkämpfen ergeben.

Hinweis: Wie bei Künstlern oder Berufssportlern ist bei beschränkt steuerpflichtigen Spielern eine Abzugssteuer (§ 50a EStG) einzubehalten, sofern nicht bereits Lohnsteuer abzuführen ist.

Ausblick: Digitale Betriebsstätte und Marktaussichten

Vor dem Hintergrund der internationalen Diskussion über die Erweiterung des Betriebsstättenbegriffs um die digitale Betriebsstätte wird für den E-Sport voraussichtlich die Frage zu klären sein, ab wann eine digitale Betriebsstätte begründet wird und ob dafür ggf. das Vorhandensein einer Spielkonsole ausreicht.


Der junge E-Sport-Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen und man rechnet auch für die kommenden Jahre mit hohen Wachstumsraten. Insbesondere das Sponsoring des E-Sports wird von immer mehr Unternehmen als Möglichkeit gesehen, eine junge Zielgruppe anzusprechen, die über herkömmliche Werbekanäle schwer zu erreichen ist.


Zudem häufen sich die Stimmen, den E-Sport als Sportart anzuerkennen. Der Deutsche Bundestag beschäftigt sich bereits mit dem Thema. Die Entwicklung bleibt abzuwarten.

 

Empfehlung: Zu beachten ist, dass aufgrund der zunehmenden Bedeutung mittlerweile auch die Finanzbehörden auf den E-Sport aufmerksam geworden sind. Die Analyseeinheit für Risikoorientierte Ermittlungen im Bereich der Steueraufsicht (ARES) hat als eine Sondereinheit der OFD Nordrhein-Westfalen den E-Sport bereits in den Fokus genommen.

 

Faruk Akkaya / WPin/StBin Stephanie Albert

Aus: PKF Nachrichten 09/2019