28.09.2018

Arbeitslohn bei verbilligter Überlassung von GmbH-Anteilen: Zuwendungen durch Dritte

Für wen: GmbH, die ihren Arbeitnehmern Vorteile in Form von Anteilen zukommen lassen, um diese langfristig zu binden.


Sachverhalt: Der verbilligte Erwerb einer GmbH-Beteiligung durch einen leitenden Arbeitnehmer kann auch dann zu Arbeitslohn führen, wenn nicht der Arbeitgeber selbst, sondern ein Gesellschafter des Arbeitgebers die Beteiligung veräußert. Dies hat der BFH kürzlich mit Urteil vom 15.3.2018 (Az.: VI R 8/16) entschieden.


Der Kläger war im Streitjahr zum einen als Prokurist bei der in Deutschland ansässigen X-GmbH angestellt. Zum anderen war er für eine österreichische Tochtergesellschaft der X-GmbH als Geschäftsführer tätig. Im Rahmen einer bei der X-GmbH durchgeführten Lohnsteuer-Außenprüfung kam das Finanzamt zu dem Ergebnis, dass der Kaufpreis, den der Kläger für eine von ihm erworbene Beteiligung an der X-GmbH gezahlt hatte, nicht dem tatsächlichen Wert der Beteiligung entsprochen habe. Die Differenz sei als steuerpflichtiger Arbeitslohn zu qualifizieren, weil der Veräußerer Hauptgesellschafter der X-GmbH war. Die Veräußerung der Beteiligung stand in Zusammenhang mit dem künftigen Einsatz des Klägers als „Europamanager“ der X-GmbH.


Der BFH bestätigt damit, dass Arbeitslohn auch bei der Zuwendung eines Dritten anzunehmen ist, wenn sie ein Entgelt „für“ eine Leistung bildet, die der Arbeitnehmer im Rahmen des Dienstverhältnisses für seinen Arbeitgeber erbringt. Im Streitfall war der Erwerb der Beteiligung durch das Dienstverhältnis veranlasst und diente dazu, den Kläger zu einem weiteren Engagement für das Unternehmen zu motivieren und ihn an dieses zu binden. Der als Arbeitslohn zu erfassende geldwerte Vorteil bestand dabei nicht in der übertragenen Beteiligung selbst, sondern in dem gewährten Preisnachlass.


Hinweis: Der Wert einer überlassenen Kapitalbeteiligung ist in erster Linie aus Veräußerungen im gewöhnlichen Geschäftsverkehr unter fremden Dritten, die weniger als ein Jahr zurückliegen, abzuleiten (§ 11 Abs. 2 Satz 2 BewG). Bei den hier vorliegenden Veräußerungen spricht jedoch bereits die Vermutung dafür, dass die objektiven Wertmaßstäbe von Angebot und Nachfrage nicht eingehalten wurden. Denn bei Verkäufen an Arbeitnehmer gilt die Regelvermutung, dass die Verträge (auch) wesentlich durch das Arbeitsverhältnis veranlasst sind. In diesem Fall ist der gemeine Wert der Anteile zu schätzen.


FAStR Dr. Carsten Dunkmann

Aus: PKF Nachrichten 09/2018