06.08.2018

Arbeitnehmer im Ausland: Wo sind Steuern zu zahlen?

Bei Tätigkeiten von Arbeitnehmern im Ausland legen zwischenstaatliche Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) fest, in welchem Staat der Arbeitslohn des Arbeitnehmers zu versteuern ist. Die Finanzverwaltung hat aktuell in einem umfangreichen Schreiben hierzu die verschiedenen Bedingungen der Besteuerung von Einkünften aus unselbständiger Tätigkeit zusammengestellt (BMF-Schreiben vom 3.5.2018, Az.: IV B 2 – S 1300/08/10027) und damit frühere Schreiben ersetzt. Nachfolgend werden wichtige Punkte im Überblick dargestellt.

DBA: Zweck und Anknüpfungspunkte

Zwischenstaatliche Doppelbesteuerungsabkommen regeln auf der Grundlage des OECD-Musterabkommens die Zuweisung von Besteuerungsrechten zwischen zwei Abkommensstaaten. Die Abkommen enthalten daneben Verfahren zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen, die sich aus den jeweiligen staatlichen Steuergesetzen ergeben können. Bei Arbeitnehmern sind insbesondere die „Ansässigkeit“, der „Tätigkeitsstaat“ und die „Tätigkeitsdauer“ nach den DBA zu bestimmen, um das Besteuerungsrecht zuzuweisen.

Grundsatz: Einkommensteuerpflicht im Inland

Hat ein Arbeitnehmer einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, ist er unbeschränkt steuerpflichtig und unterliegt grundsätzlich mit seinem gesamten Welteinkommen der inländischen Besteuerung. Ist dies nicht der Fall, können bestimmte inländische Einkünfte auch bei geringer Anwesenheitszeit in Deutschland beschränkt besteuert werden.

Ansässigkeit versus Wohnsitz

Während die unbeschränkte Steuerpflicht nach deutschem Einkommensteuerrecht eine umfassende Steuerpflicht begründet, führt die Ansässigkeit einer Person in einem der DBA-Vertragsstaaten (nur) dazu, dass das DBA auf sie angewendet werden kann (Abkommensberechtigung). Der andere Vertragsstaat ist dann Quellenstaat. Eine Person kann zwar in beiden Vertragsstaaten (z.B. aufgrund doppelten Wohnsitzes) unbeschränkt steuerpflichtig sein, dagegen kann sie nur in einem der beiden Vertragsstaaten als ansässig i.S. eines DBA gelten.

Besteuerung im Tätigkeitsstaat

Nach dem OECD-MA können Vergütungen für Arbeitslohn ausschließlich im Ansässigkeitsstaat des Arbeitnehmers besteuert werden, es sei denn, die Tätigkeit wird in einem anderen Staat ausgeübt. Wird die unselbständige Arbeit im anderen Staat ausgeübt, steht grundsätzlich diesem Staat (Tätigkeitsstaat) das Besteuerungsrecht für die bezogenen Vergütungen zu. Der Ort der Arbeitsausübung ist grundsätzlich der Ort, an dem sich der Arbeitnehmer zur Ausführung seiner Tätigkeit tatsächlich persönlich aufhält.

Besteuerung im Ansässigkeitsstaat

Dem Ansässigkeitsstaat des Arbeitnehmers steht nach dem OECD-MA nur dann das ausschließliche Besteuerungsrecht für eine im Ausland ausgeübte Tätigkeit zu, wenn

  • der Arbeitnehmer sich insgesamt nicht länger als 183 Tage im Tätigkeitsstaat aufgehalten hat, und
  • der Arbeitgeber, der die Vergütungen wirtschaftlich trägt, nicht im Tätigkeitsstaat ansässig ist, und
  • der Arbeitslohn nicht von einer Betriebsstätte oder einer festen Einrichtung, die der Arbeitgeber im Tätigkeitsstaat hat, wirtschaftlich getragen wurde.

Nur wenn alle drei Voraussetzungen zusammen vorliegen, steht dem Ansässigkeitsstaat des Arbeitnehmers das Besteuerungsrecht für Vergütungen zu, die für eine im Ausland ausgeübte Tätigkeit gezahlt werden.


Ist Deutschland der Tätigkeitsstaat, ist nach den einkommensteuerrechtlichen Vorschriften zu prüfen, ob die Vergütungen des Arbeitnehmers aus seiner im Inland ausgeübten Tätigkeit im Wege der unbeschränkten oder der beschränkten Steuerpflicht der inländischen Besteuerung unterliegen.


Empfehlung: Angesichts der zahlreichen Konstellationen von Tätigkeiten über die Grenze, die in dem BMF-Schreiben auf fast 100 Seiten dargestellt werden, ist die Besteuerung von Arbeitnehmern im Einzelfall sorgfältig zu prüfen.


StBin Sabine Rössler

Aus: PKF Nachrichten 07-08/2018